Das Immobilienkapital übernimmt Gaza

Eine Demonstration der besonderen Art: US-Präsident Donald Trump übernimmt politisch und militärisch den Gazastreifen. Er ernannte jetzt die Mitglieder des „Board of Peace“ und übertrug ihnen die Oberaufsicht über das sogenannte Nationale Übergangskomitee der Palästinenser, das seit wenigen Tagen der 78jährige palästinensische Ingenieur Ali Shaath leitet. Unter Trumps Führung sitzen am Tisch bekannte Unterhändler wie Außenminister Marco Rubio, Immobilien-Manager Steve Wittkoff und Schwiegersohn Jared Kushner, ebenfalls im Immobiliengeschäft weltweit unterwegs.
Ferner versammelt Trump um den Gaza-Tisch: Tony Blair, den die arabischen Staaten eigentlich nicht haben wollten (wegen des britischen Irak-Einsatzes), sowie zwei Namen, die die Dimension der Machtübernahme deutlich machen. Neben dem schwerreichen Investmentmanager Marc Rowan von Apollo Global Management sitzt der Präsident der Weltbank, Ajay Banga, mit am Gaza-Tisch.
Diesem Friedens-Rat ist mit Jasper Jeffers ein US-Generalmajor zugeordnet, der die Demilitarisierung (damit sind die Terrororganisationen vom 7. Oktober 2023 gemeint), die Rekonstruktion des zerstörten Gaza-Streifens und die humanitäre Hilfe organisieren und kontrollieren soll. Wer vor allem letztere künftig leisten soll, ist völlig unklar: Die israelische Regierung hat aus politischen und personellen Gründen 37 internationalen Organisationen, darunter Ärzte ohne Grenzen, die Verlängerung einer Akkreditierung über den 31.März hinaus verweigert.
Der UN-Diplomat Nikolay Mladenov, der im Übergangskomitee von Ali Shaath und seinen 14 „Technokraten“ eine bislang unklare Rolle spielt, verhandelt bereits im Büro von Benjamin Netanjahu, dem israelischen Regierungschef, mit Arieh Lightstone, der ebenfalls Trump und Kushner nahesteht und auch im Immobiliengeschäft unterwegs ist. Es ginge um das „Projekt Sunrise“ zitiert Le Monde am 16. Januar das Wall Street Journal. Ein Schelm, wem da nicht das Bild von Trump und Netanjahu an der „Gaza-Riviera“ einfiele. [P.S. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner präsentierte in Davos einen 25-Milliarden-Dollar-Plan für Gaza.]

Jutta Roitsch
Jutta Roitsch, Diplom-Politologin und freie Autorin, von 1968 bis 2002 leitende Redakteurin der Frankfurter Rundschau, verantwortlich für die Seiten »Aus Schule und Hochschule« und »Dokumentation«, seit 2002 als Bildungsexpertin tätig, Engagement in der Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union, vereinigt mit der Gustav-Heinemann-Initiative (GHI), Autorin der "Blätter für deutsche und internationale Politik", der "Vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik".

1 Kommentar

  1. Es ist bizarr, mit welcher Chupze Trump und sein sogenanntes „Peace Board“ über die Köpfe der Palästinenser*innen hinweg darüber befinden, was nun aus dem völlig von Israel zerstörten, ja ausradierten Gazastreifen werden soll. Dass zahlreiche Hilfsorganisationen nun der Zugang zu Gaza verwehrt wurde, ist ein klares Indiz dafür, dass die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung fortgesetzt wird und damit der systematische Genozid weitergeht.

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