Erzählt uns Europa!

Dies ist die zweite offene Frage auf den bruchstücken. Lorenz Lorenz-Meyer leitet sie ein.

Die Zahl der Zurückweisungen, die der europäische Gedanke in den letzten Jahren erfahren hat, ist groß. Das beginnt nicht erst mit dem Brexit. Elf Jahre zuvor hatte eine Allianz aus Nationalisten und Linken in Frankreich und den Niederlanden den zukunftsweisenden Entwurf einer EU-Verfassung in Referenden zurückgewiesen. Und immer wieder, wenn es um gelebten europäischen Zusammenhalt geht, wie bei der Eurokrise ab 2010 oder dem Zustrom von Flüchtlingen aus Krisenherden ab 2015, erweisen sich nationalstaatliche Egoismen als stärker.

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Europa – was sonst

„Die Idee eines vereinigten Europa wird niemals untergehen.“

Statement des „Vaters“ des Stammes der Crimsons, einer militärisch organisierten Gruppe, die im Jahr 2074 versucht, Waffenstillstandsverhandlungen zwischen verfeindeten Stämmen in einem nach einem globalen Blackout zerfallenen Europa zu bewerkstelligen. In der auf das Statement folgenden Szene wird der Mann von Abtrünnigen seines eigenen Stammes erschossen. Quelle: „Tribes of Europa“, einer in Deutschland produzierten, viel diskutierten Serie auf Netflix aus dem Frühjahr 2021.
WAS IST EUROPA?

Das Kap Finisterre, hier eine Feuerstelle zum Verbrennen der Pilgerkleidung am Ende des Jakobsweges, einst das Ende der Welt, seit rund 500 Jahren transatlantische Absprungsstelle zu anderen Kontinenten.
Foto: Reiner Beeck auf wikipedia
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(KW9) Respekt, ein Mann will Kanzler werden

Intromusik von terrasound.de

“In einer Gesellschaft des Respekts ist eine Politik des Respekts erforderlich.” Olaf Scholz hat den Traum vom Einzug ins Kanzleramt nicht aufgegeben – auch wenn Rot-Rot-Grün in immer weitere Ferne rückt. Horand Knaup und Wolfgang Storz stellen sich die Frage: Hat der Mann eine Chance?

Fundstücke der Woche:
1. Der sinkende Stern des Jens Spahn
2. Schmarotzeralarm in Stuttgart

Mehr zum Thema Olaf Scholz: Siehe auch bruchstuecke-edition #3 “Ich, Olaf Scholz”

Mehr zum Thema Politiker-/Parteienentwicklung: “Alleiner kannst du gar nicht sein – Unsere Volksvertreter zwischen Macht, Sucht und Angst” & ein Gespräch mit einem der Autoren (Horand Knaup) über das Buch &
eine Analyse der SPD im Bundestagswahlkampf 2017

AfD, die deutsche Trump-Partei

Ein Erinnerungsfoto an harmlosere AfD-Zeiten: Konrad Adam (links), Frauke Petry und Bernd Lucke als gewählte Sprecher auf dem AfD-Gründungsparteitag 2013 in Berlin. Alle drei Personen sind inzwischen mit mehr oder weniger Getöse aus der AfD ausgetreten, die der Verfassungsschutz jetzt als rechtsextremistischen Verdachtsfall bundesweit beobachten will. (Foto: Mathesar/ wikipedia commons)

Diese zwei Sätze gelten, sagt der Wahl- und Demokratieforscher Horst Kahrs im bruchstücke-Interview. “Der erste: Nicht jeder, der AfD wählt, ist ein Nazi. Der zweite: Nazis wählen heute bevorzugt AfD.” Die Frage müsse deshalb lauten, warum Menschen eine Partei wählen, von der sie wissen, zumindest wissen können, dass sich in ihr Nazis tummeln, dass sie fremdenfeindliche Positionen vertritt, dass sie sich gegen Grundsäulen unseres demokratischen Systems stellt. Die AfD klein zu halten, sei eine Alltagsaufgabe, nicht nur eine politische Herausforderung.

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High life, bad jobs

Foto: LiborioTV auf pixabay

Berlin bleibt die Stadt der Widersprüche. Auf der einen Seite flirren die bunten Bilder eines kulturell prallen Lebens, das natürlich jetzt in der Corona-Epoche großteils darnieder liegt, auf der anderen Seite finden wir Menschen, die sich die Miete in hip gewordenen Vierteln nicht mehr leisten können, daher an den Rand ziehen. Eine eindrückliche Stadt- und Weltgeschichte spiegelt sich in den Bezirken und so bietet die Metropole eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten für einen Roman. Thorsten Nagelschmidt wählt das Nachtleben, jedoch von der anderen Seite. Wer sorgt dafür, dass der Partybetrieb weitergeht, dass sich die Stadt „arm, aber sexy“ präsentieren kann? Wer arbeitet, während andere feiern?

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Comic-Expressionismus: Schmeichelsteine aus Metallen

Die Bronzestatue ist 3,4 m hoch, 6 m lang und wiegt 3,5 Tonnen. Foto: wikimedia commons

Ist jemandem der Name Arturo Di Modica vertraut? Wohl kaum. Millionen kennen aber sein berühmtestes Werk: den Wall-Street-Bullen, die überlebensgroße Skulptur eines angriffsbereiten Hörnerviechs, „Charging Bull“ genannt. Sie steht in einem kleinen New Yorker Park, von dem aus der Broadway startet. Nach dem Willen des Schöpfers, einem italienischstämmigen Bildhauer, der 40 Jahre in den USA gelebt hatte und im Februar 2021 im Alter von 80 Jahren gestorben ist – nebenbei Anlass zu diesem Text –, sollte die symbolträchtige, dreieinhalb Tonnen schwere Bronze eigentlich auf der Wall Street vor der New York Stock Exchange stehen. Im Park hatte der Bulle eine Zeit lang einen Widerpart, das „fearless girl“.

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(KW8) Wer versagt eigentlich: Wir oder der Staat?

Intromusik von terrasound.de

Nach einem Jahr Krisenmanagement verdichtet sich der Eindruck: Ob Impfkampagne, Schutz der Seniorenheime, Versorgung mit Luftfiltern, IPads und FFP2-Masken — Gelingen ist Ausnahme, Versagen Regel. Horand Knaup und Wolfgang Storz fragen: Woran liegt das? 

Fundstücke der Woche:
1. Große Pläne nach der Krise: die Partei Volt
2. „Wie Deutschland die Nachtzüge ausbremst“

Ausnahmewahl: Mit Pandemie und ohne Merkel

Es reicht für SchwarzGrün unter Markus Söder und für RotRotGrün nicht einmal rechnerisch, geschweige denn politisch – “nur mal als Denkübung und nüchtern betrachtet: Wäre das nicht ein Ausgang aus der Merkel-Zeit, mit dem sich gar nicht so schlecht leben ließe”, fragt Horst Kahrs im bruchstücke-Interview, in dem er auch die Chancen für RotRotGrün analysiert. Der Sozialwissenschaftler, Jahrgang 1956, arbeitete von 1995 bis 2011 für die PDS und DIE LINKE, seit 2012 forscht und publiziert Kahrs am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Linkspartei wählt auf ihrem Parteitag am 26./ 27. Februar neue Vorsitzende.

Von Udo Brechtel, CC BY-SA 3.0/ wikimedia commons
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„Ich will diesen Weg zu Ende geh’n und ich weiß, wir werden die Sonne seh’n“

Bild: pixel2013 auf pixabay

„Wir können uns darauf vorbereiten, dass wir auf eine schönere Zeit zusteuern,“ sagte RKI-Chef Lothar Wieler knapp zwei Wochen vor dem meteorologischen Frühlingsanfang in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Bundesgesundheitsminister. Was könnten uns diese Worte sagen? Ein Klärungsversuch.

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Die Techno-DJane mit der verspiegelten Panoramanachtsichtbrille

Foto: Loryn auf Pixabay

Der tanzende Organismus war nicht größer geworden. Zu viele Gäste hingen an den Rändern der Tanzfläche ab oder hatten den Saal verlassen. Die DJane war besorgt, dass die Tanzfläche sich weiter leeren könnte. Dieser Abend sollte zu einem Fest werden, wie alle anderen auch. Die Leute sollten sich bewegen und trinken. Natürlich war das auch wichtig fürs Geschäft.

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(N°9) Ein anderer Blick auf die Pandemie

Intromusik von terrasound.de

Homeoffice mit zwei Kindern auf 70 Quadratmetern? Das Virus – eine Naturkatastrophe? Lockdown für die Industrie – warum ein Tabu? Weshalb findet die Politik nur technische Antworten und keine politischen?
Horand Knaup und Wolfgang Storz im Gespräch mit Ingrid Kurz-Scherf, Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin mit feministisch-marxistischem Background.

Impfnationalisten, schwer gekränkt

Da Deutschland sich auf fast allen Gebieten meist weit vorne wähnt, komme so etwas einer „großen Kränkung“ gleich, vermutet Harald Welzer, Sozialpsychologe. Dieses „etwas“ fasste die selbsternannte Volksstimme Bild Anfang Februar in diese Headline: „Briten-Häme über unser Impfdebakel“; und die dortigen Boulevardblätter komplettieren die Schmach und titeln „Thank God we left“, „Gott sei Dank, sind wir draußen“. Die Bild-Schlagzeile findet sich, sprachlich kaum variiert, auch im Spiegel, im heute-journal, in weiteren Medien und in den Reden der Opposition. Die Klage wird so harsch vorgetragen, dass es schon verwundert, warum nicht noch drastischer von Impfschande, gar den zahllosen Impfschande-Toten die Rede ist. Eine konsumverwöhnte Gesellschaft und ihre Journalisten-Elite kennt keinen Mangel. Und duldet ihn auch nicht.   

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Die Welt ist voller toxischer, mächtiger Männer, Tendenz steigend

Foto:Geralt auf Pixabay

Die Psychoanalytikerin Marie-France Hirigoyen kennt sie aus ihrer Praxis für Psychoanalyse: Personen mit einer pathologischen Narzissmusstörung. Meistens suchen allerdings deren Opfer Hilfe bei ihr, weil Narzissten selten auf die Idee kommen, dass sie krank sein könnten. Die Autorin beginnt ihre Ausführungen nicht mit einem theoretischen Überbau, sondern führt den Leserinnen und Lesern zunächst das Paradebeispiel eines toxischen Narzissten vor. Der abgewählte ehemalige US-Präsident Donald Trump erfüllt aus Sicht der klinischen Diagnose alle Kriterien. Neun sind es an der Zahl, und die Autorin füllt jedes einzelne mit Beispielen aus Donald Trumps Verhalten.

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Es war einmal Würde… haarige Märchen in pandemischen Zeiten

Aus langen Haaren Aufmerksamkeit und Kapital schlagen: Die Rolling Stones der Augsburger Puppenkiste
(Foto: photovicky auf Pixabay)

„Mit Würde zu tun“, hat für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Öffnung von Friseursalons. Eine Frage der Würde ist die Frisur bereits im Struwwelpeter von 1844: „Kämmen ließ er nicht sein Haar. […] Pfui! ruft da ein jeder: Garst’ger Struwwelpeter“. Es war einmal vor langer Zeit…

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(N°8) Der gekränkte Verlierer Trump – So gefährlich sind Narzissten in der Politik

Foto: J.Rotter | Intromusik von terrasound.de

Ein spezieller Politiker-Typus hat derzeit Konjunktur – der Populist, dessen Handeln oft narzisstisch geprägt ist. Was macht seine Faszination aus, was seine Gefahr? Und warum pflegt er einen ausnehmend großzügigen Umgang mit der Wahrheit? 
Wolfgang Storz und Horand Knaup im Gespräch mit Leonhard Schilbach, Psychotherapeut und Psychiater. “Unsere historische, patriotische und schöne Bewegung, Amerika wieder großartig zu machen, hat jetzt erst angefangen”, sagt Trump unmittelbar nach dem gescheiterten Impeachment. Das Gespräch wurde vor dem Bekanntwerden des Freispruchs geführt.