
Wer glaubt Ihr denn, dass Ihr seid: Vincent Bolloré, der mächtigste Medienzar Frankreichs, schlägt am 19. April in seiner Sonntagszeitung Le Journal Du Dimanche mit aller Wucht gegen „eine kleine Kaste, die sich über alle und alles erhebt“ und Angst erzeuge. In einer nicht einmal vierzig Zeilen langen Erklärung eröffnet der bretonische Milliardär und Eigentümer der größten Verlagsgruppe Hachette Group in Frankreich einen Kulturkampf, der in dieser Härte beispiellos ist. Fünf Tage zuvor hat er den charismatischen, langjährigen Verlagschef von Grasset, Olivier Nora, herausgeworfen (vordergründig wegen eines Streits über den Erscheinungstermin eines Buches) und mit einem Vertrauten ersetzt. Über den Protest von über 130 Autorinnen und Autoren, deren Bücher und Schriften bisher bei dem renommierten, zur Hachette Group gehörenden Literaturverlag Grasset publiziert wurden und die ihre weitere Zusammenarbeit aufkündigten; über die Warnung von über 200 Herausgeberinnen und Herausgebern anderer Verlage vor einem ideologischen und kulturellen Krieg (Wortlaut in Le Monde vom 19/20. April) setzte sich Bolloré hinweg und konterte als Geschäftsmann: Grasset habe in einem Jahr Umsatzverluste in Millionenhöhe gemacht (von 16,5 Millionen im Jahr 2024 auf 12 Millionen 2025) bei einer gleichzeitigen Gehaltserhöhung von Nora von 830 000 Euro auf eine Million. Welcher Franzose mit finanziellen und sozialen Sorgen könne diesen medialen Lärm der „kleinen Kaste“ noch verstehen, fragte der Milliardär, der sich selbst einen christlichen Demokraten nennt, der die Literatur liebe: Mit dem Rauswurf von Nora bekämen andere Autoren eine Chance. Welche werden es sein?
Namen aus dem rechtsextremen Spektrum oder dem royalen Jetset-Umfeld des Jordan Bardella (Chef des Rassemblement National), dessen Kandidatur zu den Präsidentschaftswahlen in einem Jahr Bolloré mit allen Mitteln fördert, sind schon im Gespräch. Aber die Kampfansage hat eine andere Dimension: Den Rundumschlag des Bretonen ergänzte der Chefredakteur von Le Journal Du Dimanche, Pascal Meynadier, mit einer „Chronik einer Manipulation“, in der er die „kleine Kaste“, die sich um Olivier Nora geschart und die er in seiner 26jährigen Amtszeit hofiert habe, benennt: Es ist das linke, liberale, aber vor allem das breite Spektrum jüdischer Intellektueller in Frankreich. Mit spitzer Feder nennt er Namen und Freundschaften, Begegnungen und besondere persönlich Verträge – Verschwörungsmythen und offenkundiger Antisemitismus gehen Hand in Hand.












