
Gianni Infantino hat die FIFA reich und den Fußball arm gemacht. Auf die Liebedienerei gegenüber Katar folgte das unerträgliche Anschleimen an Donald Trump. Der aus dem Nichts erfundene FIFA-Friedenspreis gab den weltumspannenden Lieblingssport von Milliarden Menschen der Lächerlichkeit preis. Mit Grauen denkt man schon jetzt an die „Trump-Spiele“ im Sommer. Einige rufen nach Boykott, während andere befürchten, kein Visum zu bekommen. Die Spiele werden aber auf jeden Fall stattfinden: teuer, seelenlos und irgendwie falsch. Bundestrainer Julian Nagelsmann nominiert heute den deutschen Kader. Statt vom Seitenrand zu meckern, braucht es spannende Alternativen zu einem kommerziellen Weltspektakel, bei dem ohnehin immer die gleichen Nationen den Titel unter sich ausmachen. In den vergangenen 100 Jahren haben lediglich acht Länder den Titel gewonnen.
In Zeiten wachsender internationaler Spannungen könnte der Fußball ein Nationalismen überwindendes Signal senden. Grenzübergreifende Kooperation ist der beste Schutz gegen ein geopolitisches Armageddon. Die UEFA sollte bei der kommenden Europameisterschaft 2028 (in Großbritannien und Irland) ein Beispiel geben: Ein Gegeneinander der Nationalmannschaften sollte mit einem Miteinander der Europäer ausgewechselt werden.
Hier kommt Magnus Carlsen, der wohl begnadetste Schachspieler der Welt, ins Spiel. Gelangweilt vom traditionellen Schach, in dem alle vorstellbaren Eröffnungsvarianten schon tausendmal gespielt und analysiert wurden, hat er auf seinen Weltmeistertitel verzichtet und sich dem Freestyle Chess zugewandt. Die Figuren werden dabei nach dem Zufallsprinzip auf dem Brett angeordnet. Jedes Spiel ist neu, überraschend, unvorhersehbar. Nicht Routine, sondern Kreativität und eigenes Denken sind spielentscheidend. Die UEFA sollte FIFAs moralischem Verfall und der Überkommerzialisierung des Fußballs eine Europameisterschaft der Spielfreude, der Überraschung und der europäischen Völkervielfalt entgegensetzen.
Alle UEFA-Mitgliedsländer nominieren ihren besten Trainer, ihren besten Torhüter und – je nach Größe – 5, 10 oder 15 ihrer besten Spieler. Jede Nation designt ein Trikot und wählt ein Lieblingslied als Mannschaftshymne. Aus dem Pool von 605 Spielern werden 32 Mannschaften gebildet. Jeder Mannschaft wird ein Trikot, ein Trainer und ein Lied zugelost. Spieler aus allen Mitgliedsstaaten – nicht nur aus Ländern, die sich für die Europameisterschaft qualifiziert haben – haben eine Chance teilzunehmen. Das Turnier wäre voller Überraschungen: Niemand wüsste vorher, welcher Mannschaft es gelingt, aus zusammengewürfelten Spitzenspielern ein starkes Team zu formen. Selbst Sportwetten würden spannender. Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten. Grenzübergreifend könnten Fans den Sieg eines europäischen Teams feiern: Ein Sieg für Spielfreude und Multilateralismus.













