
Junge Frauen wählen links, junge Männer rechts? Ganz so einfach ist es nicht. Der Kern der Diagnose stimmt, doch Differenzierung ist wichtig, das zeigt ein Blick auf die wissenschaftliche Empirie. Mit einem drastischen Zahlenvergleich brachte Ansgar Hudde, Soziologe und Wahlforscher an der Universität Köln, nach der letzten Bundestagswahl eine signifikante Verschiebung auf den Punkt: “Ein Viertel der Männer unter 25 Jahren entschied sich für die AfD, ein Drittel der Frauen in der gleichen Alterskohorte für die Linkspartei.” Beim Urnengang in Sachsen-Anhalt fiel die Kluft zwischen den Geschlechtern nicht ganz so drastisch aus. Ein Grund dafür: Die Linken wurden zu den Leidtragenden einer Zweitstimmen-Kampagne zugunsten der um ihr politisches Überleben kämpfenden SPD und Grünen. Weil ein Teil ihrer Anhänger auf diese Weise eine Machtübernahme der AfD verhindern wollte, verlor die Partei überraschend an Stimmen, bei Männern wie Frauen. Der “Political gender gap”, wie er anglizistisch in Fachkreisen genannt wird, blieb umso klarer bei der Präferenz für die Rechtsextremisten.
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