FAZ-Aufklärung als Puzzle: An der Goldgrube 12, 55131 Mainz

Bild: Jon Tyson/ Unsplash

20. April: An einem Tag wie diesem, am nächsten in Ruhe nachgelesen, ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) fast unschlagbar. Aufklärung über Pharmapreise, das asoziale Virus auf mindestens drei Seiten. Wir erinnern uns an die Sprüche, das Virus gefährde gesundheitlich alle gleich, sei über alle Klassen erhaben. Böse Viren dringen ohne Rücksicht auf (Konto-)Stand und Status in jeden Rachen — das leuchtet doch ein! Und wer liest in solchen aufgeregten Zeiten schon bei Fernand Braudel (1902-1985), Historiker, nach, wie es wirklich ist: „Sobald sich die Seuche ankündigt, brechen die Reichen Hals über Kopf nach ihren Landgütern auf; jeder denkt nur noch an sich.“ Nun war an diesem oben genannten denkwürdigen Tag ausgerechnet in der FAZ nachzulesen, wie recht Braudel hat.

Mit Bezug auf zwei Studien des Robert-Koch-Instituts (RKI) hieß es mitten in dem Text (Überschrift: „Stadtbewohner trifft die Krise wirtschaftlich härter“): Ergebnissen dieser RKI-Studien zufolge, so die FAZ, „war die Wahrscheinlichkeit, am Corona-Virus zu sterben, für Menschen, die in sozial benachteiligten Regionen leben, 50 bis 70 Prozent höher als für solche in wohlhabenden Regionen“. Und was für das Sterben gilt, gilt auch für das Sich-Infizieren: „Während der Inzidenzwert etwa bei sozial benachteiligten Senioren zwischen 60 und 79 Jahren Anfang Januar bei rund 190 lag, rangierte er bei den sozial und finanziell Bessergestellten im gleichen Alter bei etwas mehr als 100.“ Interessant.

Ist dieser Aspekt in den gefühlt einhunderttausend Talkrunden und Nachrichtensendungen zum Thema Covid-19 eigentlich schon einmal prominent behandelt worden? Nun wurde er wenigstens in der FAZ publiziert, wenn auch versteckt in einem kleinen Zweispalter über wirtschaftliche Folgen der Pandemie, auf einer der hinteren Wirtschaftsseiten.

Aber: Wer wühlt, kommt durch.
Durchwühlen konnte sich der Interessierte an diesem Tag auch bis zu diesem Text am Fuße einer der hinteren Politikseiten: „Geld spielt keine Rolle mehr.“ Auch hier steht das konkret Interessante so beiläufig mittendrin: Die Impfdosis von Biontech-Pfizer habe einst 12 Euro, dann 15,50 gekostet und jetzt 19,50 Euro. Ausgerechnet Bojko Borissow, Gerade-nicht-mehr Ministerpräsident von Bulgarien (Spezialgebiet: Korruption) kritisierte diesen Umstand, den die EU-Kommission, laut FAZ, offiziell nicht bestätigen wollte. 

Der Kommentar dazu stand wiederum ganz woanders, aber immer noch im selben Blatt: in der Kolumne auf der Medienseite, auch unauffällig mittendrin. Die Kolumnistin, beschäftigt mit der medialen Inszenierung des Impfens (Ärmel hoch, Oberarm her, reinstechen), erinnert so nebenbei an die Postanschrift des Impfherstellers Biontech und deren programmatische Dimension: „An der Goldgrube 12, 55131 Mainz“.   

Wolfgang Storz
Dr. Wolfgang Storz (*1954) arbeitet als Publizist, Kommunikationsberater und Coach, zuvor tätig bei Badische Zeitung, IG Metall und Frankfurter Rundschau. Das Foto gibt eine jüngere Ausgabe der Person wieder.

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