Tag der Arbeit war der 1. Mai nie

Obwohl in vielen Ländern gesetzlicher Feiertag, liegt der „Tag der Arbeit“ auf der öffentlichen Agenda mittlerweile unter ferner liefen. Selbst Black Friday und der Valentinstag lösen wahrscheinlich mehr Kommunikation aus, wenn auch überwiegend werbliche.
Kernbotschaft  des Tages der Arbeit ist, seit er Mitte des 19. Jahrhunderts proklamiert wurde, Kritik an den Bedingungen organisierter Arbeitsleistungen inklusive Forderungen, die Verhältnisse zu verbessern. Ein „Tag der Arbeit“ war der 1. Mai nie, schon deshalb nicht, weil der Tag nicht-organisierter (und nicht bezahlter) Leistungen unter „Muttertag“ firmiert. Modernes Leben hat wirtschaftliche Vorsorge und menschliche Fürsorge so weit auseinander dividiert, dass deren gemeinsame Wurzel, die Arbeit, unterhalb des öffentlichen Bewusstseins liegt.

Die weitergehende Frage ist, ob eine Leistung, die ein Produkt erzeugt oder einen Dienst verrichtet, für sich genommen überhaupt den Namen Arbeit verdient. Um ihrer selbst willen ausgeübte Tätigkeiten werden gemeinhin der Kunst oder dem Spiel zugeordnet. Von Arbeit sprechen wir gerade dann, wenn die Leistung auf einen Bedarf reagiert und ihr Erzeugnis in einen Gebrauch mündet. Des Hungers wegen wird gebacken und der fertige Kuchen will, unabhängig davon, ob er hinter einer Bezahlschranke liegt, gegessen werden. Was hat es zu bedeuten, dass so einfache und klare Zusammenhänge nicht nur in den politischen und gewerkschaftlichen Maireden weitgehend ausgeblendet bleiben, sondern auch im gewohnten Sinn des Wortes Arbeit nicht vorkommen?

Arbeit als Wohlstandsquelle und Krisenherd

Peter F. Drucker, bekannt als Pionier des Managements, war der Meinung, „nur wenige Veränderungen beeinflussen die Zivilisation derartig nachhaltig wie eine Änderung des Prinzips, auf dem die Organisation der Arbeit beruht“. Aus dem Munde eines Management-Gurus meint  „Arbeit“ gewiss mehr als Herstellungs- oder Dienstleistung, mindestens ist der Verkauf und damit der Gebrauch mitgedacht. Die für Arbeit konstitutive Einheit aus Bedarf, Leistung und Gebrauch vor Augen, zeigen sich vieldiskutierte Aspekte der Wirtschaft in einem klärenden Licht.

Wir kennen die Arbeit als Wohlstandsquelle und als Krisenherd und beides beginnt damit, dass sie bewirtschaftet wird. Man kann auch von der Hand in den Mund leben, also auf Bedarf mit einer Leistung reagieren und die gesammelten Beeren oder gefangenen Fische unmittelbar verzehren; anschließend den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, bis der nächste Appetit sich meldet. Wirtschaften heißt, über die unmittelbare Versorgung hinaus zu denken und Vorsorge zu treffen, so dass der Bedarf auch morgen noch gestillt werden kann. Wer wirtschaftet, beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Leistung und Gebrauchsmöglichkeiten. Ökonomische Rationalität zielt auf weniger Aufwand und mehr Ertrag, die Landwirtschaft gab den Startschuss.

Arbeit als Einheit von Bedarf, Leistung und Gebrauch. (Foto: Mark König auf Unsplash

An die Arbeit als Einheit von Bedarf, Leistung und Gebrauch lassen sich nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale Fragen stellen. Zum Beispiel, an wessen Bedarf sich orientiert, welche Leistungen erbracht werden. Zudem müssen diejenigen, die viel leisten, nicht dieselben sein, die viel verbrauchen. Fragen der Qualifikation stellen sich, wer ist zu dieser und jener Leistung in der Lage; auch Fragen der Transaktion, wie wechselt das Erzeugnis aus dem Leistungs- in den Gebrauchsbereich, der Handel betritt die Bühne – und dann auch das Geld.

Als Kapital ernennt sich das Geld zum Gott der Arbeit

Mit Geldwirtschaft und Banken beginnt die Arbeit, in Europa etwa seit dem 16. Jahrhundert, hinter die Ökonomie zurückzutreten. Die Arbeitsleistung steht unverändert im Kontext von Bedarf und Gebrauch, wird jedoch zugleich Mittel zum Geldverdienen. Preisfragen drängen sich in den Vordergrund, Berechenbarkeit wird wichtig, Quantitäten, Tauschwerte, bekommen die Oberhand über Qualitäten, Gebrauchswerte. Seine Fähigkeit, „Moral in eine Sache unpersönlicher Arithmetik zu verwandeln – und dabei Dinge zu rechtfertigen, die ansonsten empörend oder obszön erscheinen würden“ (David Graeber) macht Geld zu einem idealen Medium moderner Freiheiten. Ökonomisierung, der Siegeszug der Käuflichkeit, verwandelt wirtschaftliche Vorsorge in Gelderwerb. „Geld ermöglichst es, eine unsichere Zukunft mit Fassung auf sich zukommen zu lassen“ (Niklas Luhmann), weshalb nichts lauter nach Mehr schreit als Geld.

In der Form von Kapital ernennt sich das Geld zum Gott der Arbeit. Jede ihrer Komponenten, der Bedarf ebenso wie Leistung und Gebrauch, gerät unter den exklusiven Gesichtspunkt, wie sich Geld am besten einsetzen lässt. Das Optimum liegt auf der Hand, aus Geld mehr Geld machen. Virtuosen des Optimums sind die Banken, die ihre Schulden mit Gewinn verkaufen, indem sie geliehenes Geld verleihen. Weil Geld „arbeiten“ muss, um sich zu vermehren, wird Gebrauch auf Verbrauch umgestellt, denn genau darauf kommt es jetzt an, dass stets etwas, am liebsten immer mehr gebraucht wird. Geld macht in jeder Höhe Sinn, Schranken der Arbeitsleistung werden zum Hindernis und müssen weg. Maschinen ermöglichen 24/7 Leistung, das Internet 24/7 Verkauf.

Kapitalistisches Wirtschaften läuft auf Arbeit ohne Ende hinaus, erlaubt aber Arbeitsleistungen nur dann, wenn Aussicht besteht, dass die Einnahmen die Ausgaben nennenswert übersteigen werden. Gewissheit ist vorher nicht zu haben, deshalb: Risiko! Hat kapitalistisches Denken Platz gegriffen und als Bestform des Wirtschaftens Anerkennung gefunden, darf es „unwirtschaftlich“ genannt werden, Arbeit mit anderen Gesichtspunkten, etwa ökologischen, sozialen, humanitären, zu „belasten“. Wer das versucht, versteht bekanntlich nichts von Wirtschaft.

Zweifacher Held der Arbeit der UdSSR (Bild: wikimedia commons)

Seit der real nicht mehr existierende Sozialismus Freiheitsberaubung in den Stand von Regierungspolitik erhoben hat, wissen wir, dass wir kein Zentralkomitee wollen, das Pläne vorgibt, wie viele Leistungen zu erbringen, welche Stachanows und Henneckes als Helden der Arbeit zu küren und für welche Gebrauchsmöglichkeiten Schlangen zu bilden sind. Andererseits haben wir auch hinreichend schlechte Erfahrungen damit, die Entscheidungen über die gesellschaftliche Arbeit Geldmaschinen zu übertragen, denen Rücksichten auf ökologische Belange und soziale Fragen abgerungen und gesetzlich aufgezwungen werden müssen. Die dann immer noch jedes Schlupfloch ausnutzen, das sie auf unserem Planeten entdecken, und notfalls, wie die Edelsten der Autoindustrie, kriminell werden. Die Fortschrittlichsten machen sich prophylaktisch auf den Weg zu anderen Himmelskörpern, während auf der Erde der Bedarf vieler Tausender Kinder so nachhaltig ignoriert wird, dass sie verhungern.

Es bleibt nur Demokratie

Was bleibt, wenn man den naiven unter den alternativen Ideen wie Geld abschaffen oder Märkte stilllegen, nicht folgen will? Das Wort dafür ist bekannt, die Sache selbst anspruchsvoll; „komplex“ sagen moderne Denker. Verschwörer wiederum sind sich sicher, dass die Sache längst verraten worden ist und es einen starken Mann braucht, der alles – stark – vereinfacht, weil er unfehlbar weiß, was das Volk will, im Unterschied zum Papst, der nur weiß, was Gott will.

Wenn weder Wahrheiten von oben, noch hier unten eine höhere Rasse, das stärkere Geschlecht, gewaltbereite Macht- oder Großesgeld-Haber entscheiden sollen, bleibt Demokratie, das gleichberechtigte Mitreden, Mitentscheiden und Mitmachen.

Unabweisbar stellt sich sofort die Frage, ob der Vorschlag, Arbeit zu demokratisieren, nicht genau so naiv ist, wie Geld oder Märkte außer Kraft zu setzen. Hat die Arbeitsteilung, haben die Ausdifferenzierungen und Spezialisierungen auf der Leistungsseite nicht ein Expertenwissen und eine technische Eigendynamik entstehen lassen, an welchen demokratische Phantasien zerplatzen wie Seifenblasen an Beton? Der Entwicklungsprozess der Leistungen wurde jedenfalls hierarchisch entschieden, nicht demokratisch; und auf dem Markt endet das Mitentscheiden mit der Zahlungsfähigkeit. Auch Niklas Luhmann, der die moderne Gesellschaft wohl gründlicher verstanden hat als die meisten Weltverbesserer, rät politisch dazu, von „Verbesserungseifer mit resignativen Untertönen auf Realitätsdiagnose mit Distanz zum eigenen Geschäft“ umzustellen. Andererseits, Fußnote: Kommunikation hat innerhalb von rund 200 Jahren eine Demokratisierung erlebt, von der vorher auch nur geträumt werden konnte; und von der zu lernen ist, dass zur Demokratie, das ist ihr Preis, auch Entgleisungen gehören wie Shitstorms und Fakenews. Falsch, der Preis sind nicht die Entgleisungen, sondern nur deren Sichtbarkeit.

Wie darf man sich demokratisierte Arbeit vorstellen, wenn es denn gestattet ist zu träumen? Vor allem nicht zentralisiert. Wir haben es in jedem Fall mit dezentral organisierten Arbeitsleistungen zu tun und mit Märkten, auf welchen Gebrauchsmöglichkeiten zur freien, jedoch weiterhin zahlungsfähigen Auswahl stehen. Und wie weiter?

Pech für das Privateigentum an Produktionsmitteln

Egal wie viele Personen sich zusammenfinden, um ein Produkt herzustellen oder eine Dienstleistung anzubieten, sie entscheiden gleichberechtigt darüber, ob und wie sie das machen wollen. Das ist jetzt Pech für die Privateigentümer von Produktionsmitteln, denn sie werden sich als Gleichberechtigte einreihen müssen. Inzwischen ist sogar Schwarmintelligenz hoch angesehen, deshalb sollte es kein Problem sein, sich kollektiver, demokratisch legitimierter Vernunft anzuvertrauen. Da im Übrigen niemand blöd ist, wissen alle,

  • dass sie nicht alleine auf dem Markt sind, ihre Produkte und Dienste wettbewerbsfähig sein müssen; allerdings werden es politisch kontrollierte Märkte sein, die feindliche Übernahmen verhindern, kleine Anbieter schützen und Obergrenzen für größere einziehen, sicherlich strengere als bisher.
  • dass sie als Personen jederzeit von jeder Komponente der Arbeit betroffen sind, also Bedarf haben, etwas leisten müssen und etwas Bezahlbares für ihren Gebrauch auswählen wollen; das heißt, sie vergessen nicht, dass alle bedürftige Menschen sind, und sie denken daran, dass für sie als Kunden bezahlbar bleiben sollte, was sie mit ihren Leistungen hervorbringen.
  • dass die Ressourcen, die sie im Leistungsprozess verbrauchen – die körperlichen und geistigen als Personen sowie die natürlichen der Umwelt – nicht beliebig erneuerbar sind und deshalb mit Achtsamkeit behandelt werden wollen.

Weil sie mitzuentscheiden haben, können und wollen die Personen solches Wissen nicht mehr an der Garderobe abgeben und sich der organisierten Verantwortungslosigkeit anheimgeben. Mit diesem Wissen treffen sie ihre Entscheidungen. Normal wird, was sich als Tendenz ohnehin zeigt, nämlich dass Experten sich nicht länger nur Shareholdern, sondern auch Stakeholdern erklären müssen; ob ihr Wissen zur Geldvermehrung taugt, ist kein hinreichendes Entscheidungskriterium mehr für oder gegen die Einführung einer Technik.

Weil ein Unternehmen keine Akademie am Starnberger See ist, haben die Organisierten keine Zeit, solange zu diskutieren, bis sich alle einig sind, so dass es sich oft um Mehrheitsentscheidungen handelt. Die Organisationsmitglieder werden aber auch zu entscheiden haben, welche Einzelentscheidungen sie in direkter Demokratie treffen, welche sie an abwählbare Personen delegieren wollen und welche jeder Einzelperson überlassen bleiben. Einfacher ist Demokratie, die es ernst meint, nicht zu haben.

Dabei wird sich auch die Einsicht verallgemeinern, dass Entscheidungen, sonst wären sie keine, im Moment der Entscheidung nicht richtig oder falsch sein können. Nur wenn und weil man nicht weiß, was richtig oder falsch, besser oder schlechter ist, muss eine Entscheidung getroffen werden – das gilt für Demokratie und Hierarchie gleichermaßen. Der Unterschied liegt darin, dass man in der Demokratie sagen darf, sogar eingeladen wird, es zu sagen, wenn man eine Entscheidung für falsch hält.

Zahlungsfähigkeit – die wichtigste menschliche Fähigkeit?

Was wären wahrscheinliche Konsequenzen demokratisierter Arbeit? Ein paar Beispiele.

  • Ungetrübt kann jetzt das Vergnügen sein, etwas zu leisten, das anderen ein leichteres und besseres Leben ermöglicht.
  • Unterbleiben werden Innovationen, die den primären Zweck haben, Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen.
  • Arbeitsdemokraten werden nicht erlauben, dass eine Minderheit hohe Gehälter und zusätzliche Boni einstreicht, während andere mit Hungerlöhnen irgendwie über die Runden kommen müssen.
  • Breit machen wird sich die schöne Erfahrung, dass Zahlungsfähigkeit nicht die wichtigste menschliche Fähigkeit ist und sich ein gutes Leben um mehr drehen kann, als Geld einzunehmen und auszugeben.

Wie Organisationen und Märkte auch heute politische Rahmenbedingungen haben, unter denen sie (irgendwie) funktionieren, so werden auch demokratisierte Organisationen und kontrollierte Märkte in kollektiv bindende Entscheidungen eingebettet sein. Der Widerstreit von Parteien und Beeinflussungsversuche von Interessengruppen werden sich nicht in Eiapopeia auflösen. Neben vielen anderen Konfliktpunkten wird zum Beispiel die Kontroverse auszutragen und zu entscheiden sein, wie hoch das Grundeinkommen sein soll, das jede Person, unabhängig davon, was sie leisten kann und will, deshalb bekommt, weil sie ein bedürftiger Mensch ist. Wer jetzt „Prämie für Faulheit“ denkt, versteht sich als Kind einer Arbeitsgesellschaft, in der Menschen behandelt werden, als seien sie Arbeiter respektive Angestellte und sonst nichts – und von ihren Interessenorganisationen auch noch eingeredet bekommen, darauf könnten sie, besonders am 1. Mai, stolz sein.

Hans-Jürgen Arlt
Hans-Jürgen Arlt arbeitet in Berlin als freier Publizist und Sozialwissenschaftler zu den Themenschwerpunkten Kommunikation, Arbeit und Kommunikationsarbeit. Aktuelle Publikationen: „Mustererkennung in der Coronakrise“ sowie „Arbeit und Krise. Erzählungen und Realitäten der Moderne“.

2 Kommentare

  1. .. kleiner “Lesekommentar”, eher etwas off-topic vielleicht:
    Der provokante Titel legt mir eine (Nach-)Frage in den Mund, die vielleicht ebenso provokant ist:

    Dürften wir im Versuch, die „nicht-organisierte(n) (und nicht bezahlte(n)) Leistungen“ (im Artikel etwas salopp mit dem „Muttertag“ eher, auch historisch unglücklich, verknüpft – aber als rethorische Verkürzung mag’s durchgehen – auch derselben Logik „bezahlbarer (ergo: irgend berechenbarer) Leistungen“, also dem Arbeitsbegriff zu unterwerfen, nicht denselben (fatalen?) Weg wählen, der schon im Bereich der bezahlen Arbeitsleistungen zu den bekannten Schieflagen und vulgo zum “1. Mai“ als Kampftag der arbeitenden Klasse (was auch immer ..) führte?
    Wäre demgegenüber nicht ein völlig anderer Weg zu wählen? Und gäbe es so etwas (noch)?

    Womit wir, historisch gesprochen, ja bei einer beklemmenden Ausweglosigkeit sind:
    Ähnlich wie die Gesellschaft des Neolithikum, die sich einmal vollständig auf Ackerbau und Viehzucht systemisch umgestellt hatte, keinen Weg „zurück“ mehr hatte, dürften auch die Industrialisierung, dann die Kapitalisierung und schließtlich rezent die Digitalisierung der (“aller”?) Lebensverhältnisse zu Systemzwängen führen, der Auswirkungen wir zwar nachgerade im Unguten deutlich zu spüren beginnen, aber kaum mehr ins „davor“ zurückdrehen können.
    (Weshalb sich wohl, wie hier auch schon erörtert, Utopien wohl aktuell so schwer tun: Sie kleben an Vorbildern alter Vergesellschaftungsformen, deren erneute bloße Spiegelung und Anwendung kaum brauchbare, nachhaltige Ergebnisse bringt, ggf. wohl schlicht unmöglich ist.)

    Der Artikel hinterfragt ja den Arbeitsbegriff („arebeit“, mhdt:. Mühe, Mühsal, Anstrengung), bleibt dann aber, so scheint mir, bei dem doch recht vagen Modell einer (irgend) „demokratisierten Arbeit“ stecken. Luhmanns kühle Diagnose und guter Rat mag hier teuer sein, aber schwer umsetzbar in politische Praxis.
    Indes scheint mir das Vertrauen auf die „Schwarmintelligenz“ oder gar die „kollektive, demokratisch legitimierte Vernunft“ dann doch zu vage.

    Tatsächlich böten sich doch – prozessual gedacht und im Sinne Luhmanns – konkretere Schritte an:
    1. Besteuerung von Finanztransaktionen
    2. Neubewertung der (natürlichen) “Ressourcen, die … im Leistungsprozess verbrauch(t)“ werden; d.h. „Wertschöpfung“ von Anfang an.
    (Es ist ein beklemmender Witz, dass dies aber doch genau nur das zu sein scheint, was der Nestlé-CEO mal so verführerisch sagte: „Wasser sollte eine Marktwert haben.“ Hmpf … Womit wir bei der Prägnanz der Ideen sind: Es geht tatsächlich um …
    3. … die Umorganisation der Eigentumsverhältnisse, z.B. auch an „Naturressourcen“, für die es keine unbeschränkten Schöpfungslizenzen qua Eigentumserwerb geben darf.
    4. echte Demokratisierung politischer Prozess, z.B. durch Aufhebung von Fraktionszwängen und Verbot von Lobbyismus durch partialinteressen-gesteuerte Unternehmen.
    5. usw. … die Modelle und Ideen dürften bekannt sein.

    Aber:
    Irritiert nehme ich für mich selbst zur Kenntnis, dass diese Punkte genau zunächst auch wieder zur weitere Kapitalisierung von Naturverhältnissen führt …
    Also doch erstmal alle „Arbeit“ (auch soziale, künstlerische, „mütterliche“ etc. pp.) „Durchkapitalisieren“, also über dieselbe Systemschwelle heben – um dann deren natur- und menschenfeindliche resp. -zerstörische Auswirkungen qua (zu diffus?) “demokratischem Prozess” zu „mildern“?

    Dies nur am Rande als nachdenklicher, fragender Kommentar zum Gelesenen.

  2. Ein spontanes, (leider nicht weiter denkendes) Dankeschön für diesen Kommentar, Herr Peschka, denn es sind genau solche Fragen, die ich mir auch stelle, und solche konkreteren Schritte, die zu gehen wären.

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