Baustelle Putin II.

Bild: geralt auf Pixabay

Irgendwie naheliegend und verständlich, dass Stephan Grünewald, Markt- und Medienforschungs-Institut rheingold, mit seinen tiefenpsychologischen Interviews jetzt herausgefunden hat, dass viele Menschen versuchen, den Ukraine-Krieg zu verdrängen; und dass das sehr anstrengend sei, vermutlich so anstrengend wie diesen (auch aus der Ferne) zu ertragen. Damit machen die sogenannten normalen Menschen nichts anderes als Medien und Politik, die von den vielen laufenden Groß-Krisen (Klima, Flüchtlinge, Artenschwund, Hunger, Rechtspopulismus) immer eine lautstark ausrufen und mit der EINEN Krise alle anderen verdrängen. Und damit die Welt so zusammenhangslos darstellen, wie sie eben gerade nicht ist; ist die wahre Brisanz der einen Krise oft genug doch erst dann zu erkennen, wenn zugleich das Ganze im Blick ist.

Richtig: Neuerdings gibt es mindestens einen prominenten Politiker, Robert Habeck, der sich müht, Zusammenhänge zwischen Energiewende und Russland-Politik herzustellen, und mahnt, diese nicht zu verdrängen. Welches Aufsehen er mit diesen ersten zaghaften Versuchen erntet, zeigt, wie selten das versucht wird.

Don Winslow (Foto; Malarrama auf wikimedia commons)

Deshalb soll an dieser Stelle mit Hilfe von Don Winslow, politischer Aktivist und einer der erfolgreichsten US-Krimiautoren — daran erinnert werden, dass die Baustelle Donald Trump noch nicht stillgelegt ist. Und die auch unsere ist. Nun läuft es bei den momentanen Vorwahlen der Republikanern in insgesamt fünf Bundesstaaten — es geht um Senatssitze und Gouverneurswahlen — weder gut noch schlecht für Donald Trump. Er unterstützt bei diesen „Primaries“ nur die republikanischen Kandidatinnen, die seine „America first“-Bewegung unterstützen und seine Geschichte teilen, er sei bei der letzten Präsidentschafts-Wahl betrogen worden; so kann an den Ergebnissen faktisch abgelesen werden, was sein Wort bei den Republikanern noch gilt. Der Milliardär und Paypal-Gründer Peter Thiel hilft dabei Kandidaten Trumps finanziell aus.

Thorsten Frei, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, machte jüngst in einem Meinungsbeitrag auf die Gefahr aufmerksam, dass der Isolationist Trump am 5. November 2024 erneut in das höchste Amt der USA wiedergewählt werden könnte: „Ein Blick auf die aktuellen Umfragen zeigt, dass wir gut beraten sind, uns mit diesem Szenario ernsthaft auseinanderzusetzen.“ Dieser Präsident würde vermutlich eine völlig andere Ukraine-Politik als Joe Biden betreiben.
Auch wenn die Bilanz von Donald Trump momentan nicht glänzend, sondern gemischt ausfällt, sollte jedoch auch diese Einschätzung (im FAZ-Interview/ paywall) von Winslow wahrgenommen werden:

„Der Trumpismus ist noch überall da, das macht mich so fertig. Dieser Geist hat das ganze Land durchsetzt: Er hat immer noch ungeheuer viele Anhänger, die seine platten Lügen glauben, die seiner nationalistischen, rassistischen, autoritären Philosophie folgen.“

Und auf die Frage, ob er „eine echte Gefahr für eine Art amerikanischen Faschismus“ sehe, sagt Winslow: „Ja, unbedingt! Sieht das von der anderen Seite des Atlantiks etwa anders aus? Er bewundert Putin, er wünscht, er wäre eine Art Putin, er hätte gerne dieselbe Macht wie Putin, er hat versucht, sich diese Macht durch einen Staatsstreich zu nehmen! Mein Gott, das ist doch offensichtlich, was er will!“

Und es schadet auch nicht, diesen bereits etwas älteren Hinweis wahrzunehmen: “Trumps Politik lebt von der Eskalation“.

Wolfgang Storz
Dr. Wolfgang Storz (sto), (*1954), arbeitet als Publizist, Kommunikationsberater und Coach, zuvor tätig bei Badische Zeitung, IG Metall und Frankfurter Rundschau. Das Foto gibt eine jüngere Ausgabe der Person wieder.

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die wunderbare für die bruchstuecke geradezu programmatische Formulierung: “Und damit die Welt so zusammenhangslos darstellen, wie sie eben gerade nicht ist; ist die wahre Brisanz der einen Krise oft genug doch erst dann zu erkennen, wenn zugleich das Ganze im Blick ist.”

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