
Sie ist die politische Kaderschmiede in unserem Nachbarland Frankreich: Sciences Po in Paris. Kaum ein Präsident, kaum ein Premier oder eine Ministerin hat nicht in dieser Einrichtung studiert, Verbindungen für die weiteren politischen Karrieren und das (häufig auch private) Leben geknüpft. Jetzt schlägt diese Kaderschmiede eine völlig neue Richtung ein: Sie gründete die „Paris Climate School“, in der vom kommenden Jahr an 50 bis 100 Studentinnen und Studenten in einem Masterstudiengang zu künftigen Klima-Entscheidern in der Politik, den Unternehmen, der Gesellschaft theoretisch und praktisch ausgebildet werden sollen.
Die Unterrichtssprache ist in dieser französisch geprägten und traditionsreichen Kaderschmiede zu „hundert Prozent Englisch“, wie der Direktor Luis Vassy bei der Vorstellung dieses ehrgeizigen, im europäischen Raum einmaligen Projekts betonte („Die erste europäische Schule, die sich dem ökologischen Wandel widmet“). Bewerben können sich nicht nur französische Studierende mit einem Bachelor aus den „harten“ Wissenschaften wie den Ingenieurwissenschaften, sondern auch aus „weichen“ Studiengängen der Sozialwissenschaften oder des (Betriebs-)Management. Kosten soll dieser Masterstudiengang je nach Finanzlage der Bewerberschar und des Stipendienfonds von Sciences Po zwischen Null und 20 000 Euro, „Nur 20 Prozent der Studenten bezahlen den höchsten Preis“, unterstrich Luis Vassy (Le Monde vom 5. Juli).
Das Ziel, das sich das Wissenschaftliche Komitee der „Paris Climate School“ gesteckt hat, ist ambitioniert. Von der Landwirtschaft bis zu den Unternehmen, der Politik und der Gesellschaft sind die Widerstände gegen eine engagierte und durchgreifende Klima-und Umweltpolitik spürbar: Die massive und teilweise gewalttätige Bewegung der „Gelbwesten“ gehörte in Frankreich ebenso dazu wie die entschiedene Ablehnung der erneuerbaren Energien (Windräder zum Beispiel) durch den rechtsextremen Rassemblement National. „Wir wollen verstehen lernen, wo und warum die Blockaden entstehen,“ erklärte die Soziologin und Direktorin des Wissenschaftlichen Komitees, Sophie Dubuisson-Quellier. Eine erste Spende von einer halben Million Euro für den Stipendienfonds kam bereits von Natixis, einem weltweiten Investment Manager für die Energiewende und grüne Unternehmen. Sponsoren braucht Sciences Po, denn die Kaderschmiede stoppte vor drei Jahren die Partnerschaft mit dem Erdöl-und Gasriesen TotalEnergies.