Klaus von Beyme: Die SPD ist zu sehr in der Mitte der Merkel-Treuen

Klaus von Beyme, Nestor der deutschen Politikwissenschaft mit hoher internationaler Reputation, würde dem SPD-Politiker Karl Lauterbach einen Oskar für auffällig kluges Handeln in der Corona-Krise verleihen. Gegenüber dem Team-Blog bruchstuecke.info äußerte sich von Beyme auch zur Lage der SPD mit den Worten: „Die SPD ist zu sehr in die Mitte der Merkel-Treuen gerückt. Sie hat seit 1990 zu häufig den Vorsitz gewechselt und zur Zeit keinen überzeugenden Vorstand.“

Klaus von Beymes Erinnerungen an ein „vergleichsweise undramatisches“ Leben sind 2016 bei Springer VS erschienen.

Unter von Beymes vielfältigen Publikationen zählen insbesondere seine beiden Bücher, „Die parlamentarischen Regierungssysteme in Europa“ und „Parteien in westlichen Demokratien“ zu den Schlüsselwerken der Politikwissenschaft. Der heute 85jährige leitete von 1974 bis 1999 das Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg.

Von Beyme hält es für geboten, die aktuelle Krisen-Trias aus Seuche, Flucht und Klimawandel in wechselseitiger Verbindung zu sehen. Dass sie zusammen zu denken und zusammen zu behandeln sei, nennt er „dringend erforderlich“. Von Beyme begrüßt den Bedeutungszuwachse der Wissenschaft in der Coronakrise, denn Wissenschaft sei „zu lange vernachlässigt worden“.

bruchstuecke.info fragte auch nach den Chancen der Corona-Krise. Viele Menschen, die Veränderungsbedarf sehen – wegen der Benachteiligungen der Frauen, der Zerstörungen der Natur, der sozialen Ungerechtigkeiten in einzelnen Ländern und zwischen Nationen –, würden an die Krise die Erwartung knüpfen, dass jetzt neue, bessere Wege gegangen werden könnten. Auf die Frage, wie viel Optimismus in ein Fortschrittspotential der Krise er teile, antwortete von Beyme: „Ich teile den Optimismus hinsichtlich der Lernfähigkeit der Gesellschaft, die sich bereits an erstaunlicher Disziplin in der Corona-Krise demonstrierte.“

Die Post von Klaus von Beyme erhielten Hans-Jürgen Arlt und Jo Wüllner

Hans-Jürgen Arlt
Hans-Jürgen Arlt
Hans-Jürgen Arlt arbeitet in Berlin als freier Publizist und Sozialwissenschaftler zu den Themenschwerpunkten Kommunikation, Arbeit und Kommunikationsarbeit. Bis 2002 leitete er zehn Jahre lang die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

1 Kommentar

  1. Dass der herausragende Wissenschaftler hier eine Erwähnung findet, ist schon bemerkenswert. Jeder, der Politik studiert, kommt nicht an ihm vorbei. Aber viele, die ihn lesen, beißen sich nicht durch seinen knappen, emotionslosen Stil durch. Er ist manchmal noch trockener, als Niklas Luhmann, sein Geistesverwandter aus der soziologischen Sparte. Und manchmal ist er einfach weise:
    “Die Wahrheit liegt nicht – einem verbreiteten Gemeinspruch zu Folge – in der Mitte, sondern auf einer anderen Ebene.” Beyme, Klaus von: Theorie der Politik im 20. Jahrhundert, Frankfurt 1991, S. 41

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