Das rote Glück

…vergeblich und vergänglich (Foto: Norbert Bicher)

Jedes Jahr ist es ein Wunder. Das schale Rotbraun des Sommers explodiert in den letzten Herbsttagen. Der japanische Ahorn schickt Knallrot in seine Blätter. So grell, dass er selbst in der dunkelsten Nacht ohne Mond und Sterne nicht zu übersehen ist. Er strahlt am Tag, er glüht in der Nacht. Freunde halten es für typisch, ja für programmatisch, dass dieses leuchtende Kunstwerk den kleinen Garten eines Sozis dominiert: Ein politisches Signal der Natur. So war das freilich nicht geplant, als das Bäumchen vor vielen, vielen Jahren gepflanzt wurde. Jetzt aber ist der Ahorn dem Sozi zu einer Parabel auf die eigene Partei geworden. Vorsicht, wenn sie rot glüht, wenn sie vor Farbenpracht und Überzeugung strotzt!
Ein bisschen Gegenwind, ein kühles Nein der Merz- und Spahn-Partei, schon fällt der strahlend rote Blätterschatz zu Boden. Und jedes Jahr erinnert dieses letzte Aufbäumen an einige leicht abgewandelte Gedichtzeilen Erich Kästners: „Melancholie und Freude sind wohl Schwestern…. Mit jedem Pulsschlag wird aus heute gestern. Auch Glück kann weh tun, auch der Herbst tut weh.

Norbert Bicher
Norbert Bicher, Kölner Journalist, war u. a. Parlamentskorrespondent der Westfälischen Rundschau, wurde 1998 Pressesprecher der SPD-Bundestagsfraktion unter deren Vorsitzendem Peter Struck, mit dem er als Sprecher 2002 ins Verteidigungsministerium wechselte und 2005 zur Fraktion zurückkehrte.

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