FAZ-Herausgeber Jasper von Altenbockum hat (am 11. Juli 2026) einen Kommentar mit dem Titel: „Wir Normalos“ veröffentlichen lassen. Darin ist über die „Normalos“ in Deutschland zu lesen: „Mit dem Gesetz je in Konflikt geraten? Ja, Bußgeldbescheide. Aber sonst: Fehlanzeige. Immer schön nach den Regeln.“ Es wäre gewiss unfair, nun in die Kriminalstatistik zu gucken. Lass ich also. Der FAZ-Autor hat niedergeschrieben, was seiner Ansicht nach sozialer Standard ist. Normal. Anstand mit kleinen Fleckchen. Ganz kleinen. Aber irgendwann habe dieser Normalo gemerkt, meint von Altenbockum, dass er keine Rolle mehr spiele. Das klingt bei von Altenbockum wie „Serengeti darf nicht sterben.“
Und dann kriegt die sogenannte Politik ihr Fett weg: In den Parlamenten und Regierungen sei es nicht „um Väter und Mütter, sondern um Frührentner, Geschlechtsumwandlung und Ehegattensplitting…“gegangen.
„Statt über die glückliche Familie mit Kindern wurde über Patchwork, Scheidungen, Kinderlosigkeit, über ADHS, Alleinerziehende, Armut, Leihmütter und darüber kommuniziert, wie es ist, im Zeichen des Regenbogens die fünfte Ehe zu schließen. Als Hetero war man ohnehin nicht mehr angesagt. Homo war normal.“
Von Altenbockum beendet den so empfundenen Horror mit dem Satz: „Wie lange noch?“
Mag sein, dass Herr von Bockum daheim in der Toga herumläuft, seine Penaten(im antiken Rom die Schutzgötter der Vorräte) entstaubt und Garum aufs Schnitzel träufelt; mag sein, ist nicht überliefert, aber gewiss ist, dass er Ciceros Satz aus dessen catilinarischer Rede bestens kennt: „Quo usque tandem abutere, catilina patientia nostra?“ („Wie lange noch, Catilina, wirst du unsere Geduld missbrauchen?“) Eben: „Wie lange noch?“
Der dicke Hinweis, nicht so kleinlich zu sein
Am 20. Juli schreibt der offenbare Altsprachler neu: „Gegner und auch Befürwortet“ der Leihmutterschaft „haben gute Argumente“. „Im Februar“ habe Spahn eine Leihmutterschaft noch „gut begründen können“. Der jetzige Kommentar des normalo-affinen Herausgebers trägt den Titel “Ausgerechnet Spahn“. Es ist eine der Eigentümlichkeiten echten, rechten Konservatismus, persönliches Scheitern, eine „intime Angelegenheit“ – wie von Altenbockum analysiert – auf die gesamtgesellschaftspolitische Ebene unbedingt hoch zu jazzen. Auf der Ebene liest man dann: „Die CDU zeigt in der Leihmutter-Affäre wie glücklos sie in der Gesellschaftspolitik ist.“
Das ist kein Freispruch erster Klasse für Spahn, aber immerhin der dicke Hinweis, dass man nicht so kleinlich sein soll. Der arme Jens! Er habe doch schon vor Jahren gegen eine „zu weit nach links orientierte Öko-Multikulti- Christ- Partei“ rebelliert. Ja: Rebelliert! Damit ist wohl die Regierungszeit von Angela Merkel gemeint. Wenn das so weitergehe mit dem Schicksal Konservativer wie Spahn, drohe der CDU, dass sie den Weg der SPD gehe, also: bergab!
Der 1994 verstorbene Philosoph und Historiker Christopher Lasch hat Schwangerschaft, Geburt, erste Lebensjahre, der Liebe der Eltern und der Aufgabe zu erziehen einen zivilisatorischen Rahmen gegeben, an den wir nicht oft genug erinnern können: „Heaven in a heartles World“ nannte er den sicheren Ort für ein Kind, die Kinder, die Familie. Die Bedingung für Gedeihen von Erziehung und Wachsen war für ihn der „Heaven“. Ob der angesteuert wird, wenn eine „Ankunft“ über Bild bekannt gemacht wird, mag jeder und jede für sich entscheiden. Ich bin da im Zweifel.
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