
In einem eindringlichen Appell an seine Regierung bittet der israelische Diplomat Elie Barnavi um die Freilassung von Marwan Barghouti aus israelischer Haft (Le Monde vom 19./20.Juli). Barnavi, ehemaliger Botschafter seines Landes in Frankreich (2000-2002), bemüht sich seit Jahrzehnten um einen israelisch-palästinensischen Friedensvertrag und eine Zweistaaten-Lösung in dem Land „zwischen dem Jordan und dem Meer“. Barghouti, vor 24 Jahren wegen Terrorismus gegen israelische Zivilisten zu lebenslanger Haft verurteilt, gilt als führender politischer wie militärischer Kopf der Palästinenser. Und dies unangefochten seit Jahrzehnten. Der säkulare Politiker verhandelte in den 1990iger Jahren in Oslo und Madrid den letztlich gescheiterten Friedensprozess. In diesen Verhandlungen begegneten sich Elie Barnavi und Marwan Barghouti. Und jetzt, dreißig Jahre später, setzt sich der Diplomat für die Freilassung des Palästinensers ein: Barghouti sei nicht irgendeiner der rund 9500 palästinensischen Häftlinge in israelischen Gefängnissen. „Er ist der ‚palästinensische Mandela‘, der Einzige, der in der Lage ist, sein Volk um ein nationales Projekt herum zu vereinigen,“ schreibt Barnavi. Dieses „nationale Projekt“ sei ein palästinensischer Staat neben dem Staat Israel, eine Vision, die Barnavi teilt, um den ewigwährenden israelisch-palästinensischen Konflikt zu beenden. Sie aber sei unvereinbar mit der Vision eines Staates „vom Meer bis zum Jordan“, für Elie Barnavi eine jüdische wie eine palästinensische Vision, die den jeweils anderen Staat und das jeweils andere Volk negiert.
Der ehemalige Botschafter, ein scharfer Kritiker der israelischen Regierung Benjamin Netanjahus und der Besatzungs- wie Siedlungspolitik im Westjordanland, wirbt in seinem Appell auch aus menschlichen Gründen für eine Freilassung Barghoutis, der seit dem Terror der Hamas am 7. Oktober 2023 in Isolationshaft ist. Barnavi schreibt, dass der Palästinenser gefoltert und ausgehungert werde. Von Frankreich fordert er dringlich eine diplomatische Kampagne zur Freilassung, „denn der Mann ist einfach in Todesgefahr“.
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