Wer hat das Sagen: Politik oder Wirtschaft?

Die Antwort auf die Frage nach dem Primat von Politik oder Wirtschaft ist in der Sache offen, weil umstritten, letztlich ungeklärt; und sie ist auf Bruchstücke offen, weil wir dazu einladen, diese Frage mit uns zu diskutieren. Das heißt, wir fangen im Bruchstücke-Team schon mal an und bitten Sie, sich zu beteiligen: Ihr Diskussionsbeitrag steht dann nicht als ein einzelner Kommentar abgesondert unter dem Text, sondern ist Bestandteil des Textes – unter der Voraussetzung, dass Sie sich argumentativ auf den jeweils vorherigen Beitrag beziehen, dann aber durchaus neue, ganz andere Aspekte einbringen können und die Diskussion auch auf andere Weg lenken können. Betrachten Sie sich als eingeladen.

Wir haben dafür das Forum „Die offene Frage“ eingerichtet. Dort finden Sie die bisherigen Diskussionsbeiträge sowie die Möglichkeit, mit einem eigenen Text zum Argumentationsverlauf beizutragen.
Das Forum der offenen Frage °1 bleibt bis zum 31. Januar 2021 geöffnet. Danach werden die gesammelten Texte gestaltet und als eigener Beitrag auf dem Blog gepostet.

Darüber hinaus sind Sie eingeladen, weitere „offene Fragen“ vorzuschlagen, die Sie auf Bruchstücke erörtert wissen möchten.

3 Kommentare

  1. Menschen können nur in einer Polis existieren.
    Dies zu ekennen, ist die Fähigkeit des Verstandes. Die Vernunft zieht daraus die Konsequenz, dass den Belangen der Polis, weil sie Voraussetzungen für die Belange des einzelnen Menschen sind, das Primat zukommt.
    Dieses Primat findet ihre Begründung und ihre Grenze in dem, was das Grundgesetz als unantastbare Würde des Menschen bezeichnet.

    P.S. Bruchstücke Bot – ein interessantes Format

    1. Aber was wäre die Polis ohne oikos? Ohne ihre Frauen und Sklaven wären die antiken griechischen Herren verhungert.

      1. Ein Oikos ist eine kleine Polis, die zusammen mit anderen kleineren oder größeren “Häusern” eine größere Polis bilden, die wiederum zusammen mit allen unterschiedlichen Poleis der Welt die Weltpolis bilden.

        In einem Oikos haben die Belange, die das ganze Haus betreffen, Vorrang vor den Belangen einzelner Hausbewohner.
        In einer Polis, die aus mehreren Häusern besteht, haben die Belange der Polis Vorrang vor den Belangen eines einzelnen Oikos.
        Heute haben die Belange der Weltpolis Vorrang vor den Belangen einzelner Poleis. Das ist ein Kerngedanke der UN-Resolution “Transformation unserer Welt- die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung”.

        Ein andere Frage ist, wie das “Haus” organisiert ist. Am Primat des Politischen ändert diese Frage aber nichts. Im Gegenteil. Man wird heute sein Haus dauerhaft nur organisieren können, wenn man es dem Primat des Weltpolitischen nicht entgegensteht.

        Und auch wenn das Oikos monarchisch organisiert ist, und der Monarch ein Tyrann ist, muss er ein Interesse an der Fortexistenz des Hauses haben, weil er sonst “verhungern” würde. Ist er zur Verfolgung dieses Interesses nicht in der Lage, wird das “Haus” und damit auch er selbst dauerhaft nicht weiterexistieren können und er wird “verhungern”.

        Im alten Griechenland ist Oikos kein Gegenbegriff zur Polis. Ein solcher Gegenbegriff wäre “Ta idia”, “das Eigene”, dem Polites (Bürger) ist ein Idiotes (Privatier) gegenübergestellt.

        Der Gegensatz zum Politischen, zur Politik, das auf die Belange der Polis bezogen ist, ist das Idiotische, das auf die Belange des Eigenen bezogen ist.

        Dabei hat das Idiotische natürlich seine Berechtigung. Ohne das Idiotische wird das Politische totalitär und zerstört sich selbst. Das Idiotische ist allerdings ohne das Politische im Hinblick auf den Fortbestand der Polis blind.

        Das Grundgesetz verlangt von aller staatlichen Gewalt die unantastbare Würde des Menschen zu achten und zu schützen. Die Formulierung im Artikel 1 “die Würde des Menschen” (es steht da nicht Menschenwürde oder Würde eines Menschen) umfasst das Politische wie das Idiotische, beides muss als Ganzheit geachtet und beschützt werden.

        Im Grundgesetz ist allerdings die Grundnorm, die Würde des Menschen zu achten und zu schützen nur eine Verpflichtung aller staatlichen Gewalt, also letztlich aller politischen Gewalt. Subjekt dieser Norm ist die politische Gewalt. Das Idiotische ist dagegen Teil des Objektes, das von der staatlichen/politischen Gewalt zu achten und zu schützen ist, letztlich auch vor sich selbst zu schützen ist, wenn der fehlende Schutz dazu führt, dass der politische Mensch durch das Idiotische in seiner Existenz bedroht ist.

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