Nachhaltigkeitspolitische Perspektive für Nordstream 2 

Dass Nordstream 2 in der konzipierten Form schon aus nachhaltigkeitspolitischen Gründen zum Scheitern verurteilt war, zeichnete sich ab, seitdem das Projekt geplant wurde. Als Großprojekt der fossilen Energiewirtschaft ist Nordstream 2 von Anfang an im Hinblick auf die in den nächsten Jahren anstehende notwendige Dekarbonisierung ignorant und zukunftsblind. Nordstream 2 ist ein Monument der nachhaltigkeitspolitischen Fehlstellung Deutschlands und Russlands in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts.
Nachdem Nordstream 2 fertiggestellt ist und der Angriff Russlands auf die Ukraine die Inbetriebnahme dieses zukunftsblinden Projektes endgültig gestoppt zu haben scheint, gibt es zwei Möglichkeiten: den Rückbau bzw. Abriss oder eine alternative Nutzung.
Eine alternative Nutzung würde die nachhaltigkeitspolitische Blindheit des Projektes hinter sich lassen und Energiewende-Zielsetzungen im Sinne der Transformation verfolgen. Die Pipeline könnte beispielsweise in Zukunft statt dem Transport von fossilem Gas der Durchleitung von CO2-freiem synthetischem Gas dienen.
Eine solche alternative Nutzung würde freilich erhebliche energiewirtschaftliche Investitionen in Russland und Deutschland voraussetzen. Nordstream 2 könnte so Teil eines länderübergreifenden Infrastrukturprojektes der Transformation zur Nachhaltigkeit werden. Diese nachhaltigkeitspolitische Perspektive könnte auch in Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine eine zukunftsgestaltende Rolle spielen. Ob Nordstream 2 noch eine Perspektive hat, wird freilich auch davon abhängen, ob nach Kriegsende Russland bereit und in der Lage ist, mit Europa und der Welt im Sinne der Transformation zur Nachhaltigkeit zu kooperieren.

Thomas Weber
Thomas Weber (thw) leitet das Referat Nachhaltigkeit im Bundesministerium der Justiz. Auf bruchstuecke.info spricht er für sich selbst.

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

bruchstücke
%d Bloggern gefällt das: