Ein großer Wumm, ein leiser Plopp, ein verzagtes Wimmern

Der große Wumm der Großen Koalition ist ein finanziell groß angelegter Versuch, der Bundesrepublik die Rückkehr in den Präpandemie-Alltag zu erleichtern. Der große Wumm ist ein leiser Plopp, gemessen an dem „Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“, den  der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) im Jahr 2011 vorgestellt hat. Der große Wumm ist ein verzagtes Wimmern im Angesicht der Forderungen, die Coronakrise als eine Zäsur zu begreifen, das gesellschaftliche Leben auf der Erde im Sinne der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen und der Pariser Klimaschutzziele weiter zu entwickeln.
Umso wichtiger wird es, die Debatte darüber nicht einschlafen zu lassen, was programmatisch-konzeptionell und strategisch-praktisch aus der Krise gelernt werden kann für die ökologische Verteidigung der natürlichen Lebensgrundlagen und für den feministischen Angriff auf das herrschende Geschlechterverhältnis. Zwei Blogs, in die es sich in diesem Zusammenhang lohnt, immer wieder mal hineinzuschauen: Corona & Society des Progressiven Zentrums Berlin und Kultur/Reflexion der Universität Witten/Herdecke.

Corona & Society wurde vom Berliner Progressiven Zentrum am 15. Mai 2020 auch deshalb gestartet, weil, so erläutert das Editorial, die Mehrheit diese Krise nicht als Chance begreife, sondern als negativen Einschnitt in ein gutes Leben. „Das Ziel ist der status quo ante mit Büroarbeit, Kitabetreuung, geöffneten Schulen, Fernreisen und Fußball-Bundesliga. Hinzu kommt: Mächtige Lobbygruppen setzen sich dafür ein, bestehende Strukturen zu konservieren. Wird am Ende also doch alles wieder wie vorher, nur vorerst auf niedrigerem Niveau? Die Corona-Krise hätte dann gar kein Innovations-, sondern ein ‚Verfestigungspotenzial’.“

„Der Schlüssel zum Verständnis der neuen Herausforderung liegt gar nicht in der medizinischen Fakultät, sondern in der gesellschaftswissenschaftlichen.“

In diesem Sinn kommen auf dem Blog streitbare Autorinnen und Autoren aus dem gesellschaftswissenschaftlichen Spektrum zu Wort. Wichtig ist den Bloggern, dass der Verlauf des Infektionsgeschehens gegenwärtig nur erste vorsichtige Diagnosen und Prognosen zulässt. „Es geht also um das Sammeln und um zurückhaltende Beobachtungen für eine „Soziologie der Katastrophe“ (Claus Leggewie), nicht um den „Gestus des sicheren Wissens und Gebietens“ (Hedwig Richter).

Schwerer verdaulichen wissenschaftlich-künstlerischen Lesestoff hält das Blog Kultur/ Reflexion der Universität Witten/Herdecke bereit. Bis heute sind 22 Beiträge zur Coronakrise erschienen, der jüngste unter dem Titel „Kleine Sozialpsychologie der Schlaffheit in Zeiten Coronas“. Der erste datiert vom 23. März. Unter der Überschrift „Pulsierende Gesellschaft“ wird schon in diesem frühen Stadium festgehalten, es gebe „keinen Grund anzunehmen, dass die Gesellschaft nach der Krise nicht wieder in dieselben Zustände und Abläufe zurückschwingt, von denen sie sich gegenwärtig entfernt hat“.

Um die Eingangs-Bemerkung, es sei schwere Kost, Lügen zu strafen, noch das Beispiel „Corona XIX: Witze in Zeiten von Corona“. Eine kleine Auswahl:

Aus der Anfangszeit:

  • „Falls Sie Hamsterkäufe erwägen, bedenken Sie bitte, dass die Tiere auch gefüttert werden müssen!“ 
  •  „Heute kamen zwei Leute mit Atemschutzmasken zur Post. Sofort entstand Panik. Gott sei Dank war es nur ein Überfall, so haben wir uns alle schnell beruhigt.“

Aus der Phase des Lockdown:

  • „Deine Großeltern wurden aufgerufen, in den Krieg zu ziehen, Du wirst aufgerufen, auf der Couch zu bleiben. Du schaffst das!“ 
  •  „Früher habe ich einfach so rumgesessen, heute rette ich Leben!“
  •  „Unser Mitgefühl gilt allen verheirateten Männern, die ihrer Frau mal gesagt haben: ‚Ich mache es, wenn ich mal Zeit habe!‘“
  • “I just got off the phone with a professor in China. He says it’s not worth getting the Covid-19 now, as they’re expecting the Covid-20 Pro to be released in September.”
Hans-Jürgen Arlt
Hans-Jürgen Arlt
Hans-Jürgen Arlt arbeitet in Berlin als freier Publizist und Sozialwissenschaftler zu den Themenschwerpunkten Kommunikation, Arbeit und Kommunikationsarbeit. Bis 2002 leitete er zehn Jahre lang die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

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