Schock-, Killer-, Hammer-, Knaller-Kommunikation

Screenshot: Website bild.de

Eine Boulevard-Redaktion lädt dazu ein – sie merkt es nicht, aber sie tut es –, über ihre Arbeit nachzudenken. Was in der öffentlichen Kommunikation am Anfang des 20. Jahrhunderts mit Boulevardzeitungen beginnt, findet in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts auf Online-Plattformen einen aktuellen Höhepunkt und wird mit KI generierter Kommunikation auf die Spitze getrieben: die kommunikative Gleichgültigkeit gegenüber jedem Thema zugunsten der Erregungvon Aufmerksamkeit. Erregen lässt sich am besten mit Aufregen. Die ausgiebig diskutierte gesellschaftliche Polarisierung dürfte viel mit diesen systemisch erzeugten Aufregungen zu tun haben.
Die Diagnose „Aufmerksamkeitsökonomie“ schaut zu sehr auf die Ökonomie und zu wenig auf die Aufmerksamkeit, ebenso wie der Befund der politischen Instrumentalisierung zu viel Politik sieht (Politiker sehen halt nichts anderes); natürlich macht „Bild“ Politik, in der Regel jedoch nur dann und dort, wo sie dafür Aufmerksamkeit bekommt.
Ohne Thema ist Kommunikation nicht möglich, aber die Information über das Thema muss in der zweiten Reihe Platz nehmen. Es geht nicht um Hitze oder Heizung, sondern um die Frage, ob hier der Hammer hängt. Die erste Reihe ist reserviert für Schocks und Killer, für Hammer und Knaller, für Wahnsinn und Alarm. Wie der Tauschwert über den Gebrauchswert der Arbeit, so hat der Aufmerksamkeitsweit die Regie über den Informationswert der öffentlichen Kommunikation übernommen.

Screenshot: Website Energie-Experten

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Hans-Jürgen Arlt
Hans-Jürgen Arlt (at) arbeitet in Berlin als freier Publizist und Sozialwissenschaftler zu den Themenschwerpunkten Kommunikation, Arbeit und Kommunikationsarbeit. Aktuelle Publikationen: "Aufstieg der Rechten, Abstieg der Linken"; "Arbeit und Freiheit. Eine Paradoxie der Moderne"; "Spielen ist unwahrscheinlich. Eine Theorie der ludischen Aktion" (mit Fabian Arlt).

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