
Auf den Hype um die Künstliche Intelligenz (KI) folgt momentan die Ernüchterung, gar eine Korrektur. In mehreren Ländern nimmt der Widerstand gegen Rechenzentren zu. Und an den Börsen befinden sich Aktien, die am KI-Geschäft hängen, im Niedergang. „KI-Crash: Hedgefonds flüchten im Eiltempo, Privatanleger kaufen“, „Anleger fliehen aus KI-Aktien“ lauten aktuelle Überschriften.
Neue disruptive Techniken, welche die Gesellschaften und deren Wirtschaft — nicht nur in einem Bereich, sondern auf ganzer Breite, also in allen Branchen der Industrie, in der Politik, der Kultur — tiefgehend verändern, bringen Hypes mit sich, genauso wie tiefe Enttäuschungen und Korrekturen am Markt. An den Börsen ist dies unter anderem an ebenso enorm steigenden wie sinkenden Preisen abzulesen: So schwankte
– nur ein Beispiel von vielen – die Aktie des deutschen Halbleiter-Hersteller Infineon innerhalb eines Jahres zwischen etwa 30 und 90 Euro, starke Ausschläge nach oben wie nach unten inclusive. Fortsetzung folgt. Insolvenzen inclusive. Denn skeptische Marktbeobachter fragen: Wer wird überleben? Wenn von ChatGPT bis Le Chat (von Mistral) zahllose Sprachmodelle von den verschiedensten Unternehmen auf den Markt geworfen werden — jeweils mit sehr hohen Investitionskosten entwickelt und trainiert —, wie sollen die alle überleben. Vermutlich bleiben nur die billigsten und leistungsfähigsten. Und an den Börsen fragen sich die Akteure immer: Ab welchem Sorge-Grad bricht Anleger-Panik aus; mit meist erst einmal unkontrollierbaren Folgen.
Trotzdem: Die Investitionen gehen weiter. Die glorreichen sieben US-Tech-Konzerne („Magnificent 7“) wie Meta, Nvidia, Microsoft oder Amazon wollen allein in diesem Jahr 2026 etwa 650 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren investieren. Der Vermögensverwalter Blackrock geht davon aus, dass bis 2030 in den USA etwa zehn Billionen Dollar in den Aufbau einer leistungsfähigen KI-Infrastruktur investiert werden.
Enormer Verbrauch an Energie, Boden, Wasser
Mit den Investitionen wachsen in diesen Monaten jedoch auch Skepsis und Bedenken: Denn bisher gibt es noch keine überzeugenden Belege, dass sich diese Investitionen (je) rechnen werden. So verzeichnen die bekanntesten KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic bisher nur enorme Verluste.
Zugleich wächst der Widerstand: Denn während die einen in den Rechenzentren den großen Fortschritt sehen, sehen andere das große Unheil, unter anderem aufgrund des enormen Verbrauchs an Energie, Boden und Wasser; abgesehen von der Ästhetik der meist riesengroß-potthässlichen, Tag und Nacht sicherheitsüberwachten und grellbeleuchteten Blechhütten.
Die US-Organisation Data Center Watch geht davon aus, dass der Widerstand wachsen werde, es würden,Stand Frühjahr 2026, allein in den USA Projekte in einer Höhe von 100 Milliarden Dollar blockiert oder verzögert. Dazu gehört auch ein Fünf-Milliarden-Projekt einer Amazon-Tochter in der Nähe von Salem, einem Ort im US-Staat Oregan. Das berichtet die linksliberale Wochenzeitung Woz in einem Überblick über die Protestbewegung gegen noch mehr Digitales und spekuliert: „Entsteht da gerade eine globale Protestbewegung?“
Für Europa listet, so die Woz, der European Data Centre Monitor inzwischen 70 Rechenzentren-Projekte auf, die zumindest vorübergehend gestoppt sind. Das schottische Parlament verfügte ein einjähriges Moratorium, um zuerst eine nationale Strategie auszuarbeiten. Proteste gibt es in Österreich, in Italien, vor allem in der bereits rechenzentrums-überlasteten Lombardei.
Die Widerstände drehen sich meist um Themen der seit Monaten darniederliegenden Umweltbewegung: Es geht um den Verbrauch von Wasser, Fläche, Energie, um Lärm und um die Gefahr, dass es wegen des enormen Energieverbrauches der Rechenzentren zu einer Renaissance der Atomenergie kommt.
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