
Eigentlich fahren Familien, Schülerinnen und Studenten in den Toussaint-Ferien noch einmal weit weg: Doch in diesem Jahr fallen die Reisen um Allerheiligen (Toussaint) herum aus. Es wird in Frankreich weiter demonstriert und in den Medien, die sich sozial nennen, wird mit aller Gewalt für das kommende Wochenende mobilisiert.
Die ehemaligen „Gelbwesten“ (gilets jaunes) sind dabei – ihr sozialer Protest hat Frankreich zwischen November 2018 und Frühjahr 2019 in Atem gehalten -, die Verbände der Schüler und Studenten, die Lehrergewerkschaften, die „Unbeugsamen“ (Insoumis) des Jean-Luc Mélenchon. Er stand und steht mit seinen Abgeordneten der Nationalversammlung und dem Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, von Anfang an in der ersten Reihe der Schülerdemonstrationen, die Mitte September in Créteil, einer Pariser Vorstadt, begonnen haben.

Rémi Noyon auf wikimedia commons)
Von Mélenchon stammt das Wort, das jetzt durch alle Medien von Tiktok bis Instagram kursiert: Es gehe um das „pourrissement“ des Konflikts, die Zuspitzung. Das ist das politische Element dieses Mannes, der zum vierten Mal bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr antritt. Und nach diesem Wochenende der Verwüstungen, der lodernden Flammen im altehrwürdigen Rathaus von Limoges, der Plünderungen des Luxuskaufhauses La Fayette in Paris, scheint niemand die politische Durchsetzungskraft zu haben, um diese Zuspitzung zu verhindern.
Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Sébastien Lecornu wirken in ihren Fernsehansprachen blass und fast resigniert. Den Rücktritt des Innenministers Laurent Nuñez lehnen sie ab, obwohl er (wie die gesamte politische Spitze des Staates) die Wucht der „jeunes & jaunes“ (der Jungen und der Gelben) völlig unterschätzt hat und kopflos reagiert. Lecornu hat jetzt begrenzte lokale Ausgangssperren angekündigt.

Als militante Ordnungsmacht präsentieren sich demgegenüber die Rechtsextremen: Marion Maréchal, die Nichte von Marine Le Pen, nimmt die Worte der Marseillaise wörtlich und fordert die Bürger zur Selbstverteidigung auf („aux armes citoyens“); für den Rassemblement National (RN) fordern Le Pen und Jordan Bardella 10 000 zusätzliche Stellen für Polizisten und die Absenkung des Strafalters auf 16 Jahre. An ihrem geplanten Parteikongress am kommenden Wochenende in Orléans halten sie fest. Es ist die „Zuspitzung“ von Rechtsaußen. Wer fühlt sich in dieser hoch explosiven Lage eigentlich noch verantwortlich?
Siehe auf bruchstücke auch „Die soziale Leere des vergessenen Frankreich„
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