
Mit Verzögerung schafft sich die Einsicht Raum, dass das vermehrte Votum für die AFD nicht einem Protest gegen die herrschende Politik, sondern einem Votum für die AFD entspringt. Als Einsicht darf sie bezeichnet werden, weil sie die Tatsache des Votums nicht länger kraft einer vermeintlich besseren Kenntnis, eines Verständnisses der Hintergründe dessen bestreitet, was es vordergründig bedeutet. Im Gegenteil. Hätte man schon früher darauf verzichtet, das Votum zu interpretieren, dann hätte man es beizeiten verstanden, sich aber dem Verdacht ausgesetzt, das jetzt unbestreitbar Eingetretene aus der bloßen Vorstellung in die Wirklichkeit zu befördern. Verzichtet man heute darauf, hinkt man dagegen in fataler Weise hinterher. Die Einsicht wäre also nie zeitgleich. Das Votum für eine Partei, die sich offen über die politische Moral stellt, kann nicht in der gewohnten Weise des Umgangs mit Politik abgetan werden, ist es doch eine „krasse Sache“, die eigene Maßstäbe setzt und in ihrer substantiellen Aussage verstanden werden muss, zumal den Verhältnissen im politisch abgehängten Osten Deutschlands ein globales Phänomen entspricht: die Ablehnung der Demokratie nicht wegen mangelnder, sondern aufgrund der Bekanntschaft mit ihr.
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